Lokale Werbung im Wochenblatt – Warum 800 € pro Woche im Kreisblatt selten eine Strategie sind
Lokale Printwerbung ist nur dann wirtschaftlich, wenn sie messbar Nachfrage erzeugt. Eine ehrliche Analyse mit Rechenbeispiel.
„Wir haben sooo viele Leser"
Hier in Saarburg läuft vieles über das kostenlose Kreisblatt. Jede Woche wieder. Und jede Woche sehe ich die gleichen Anzeigen. Groß. In Farbe. Teurer als man denkt.
Ich weiß aus dem familiären Umfeld, was eine einzige Anzeige dort kostet. 400, 600, 800 € pro Woche sind keine Fantasie. Und das zahlen manche Unternehmen dauerhaft.
Und dann kommt der Standardsatz vom Publisher:
„Wir haben eine riesige Leserschaft."
Mag sein. Aber was machen mindestens 50 % dieser „Leser"?
- Zeitung aus dem Briefkasten.
- Direkt in die blaue Tonne.
- Tschüss.
Das ist keine Böswilligkeit. Das ist Realität.
Das Problem ist nicht Print. Das Problem ist Blindflug.
Print ist nicht per se schlecht. Das Problem ist: Es ist fast nie messbar.
Du weißt nicht:
- Wer die Anzeige gesehen hat
- Wie oft sie gesehen wurde
- Ob jemand reagiert hat
- Wer reagiert hat
- Ob daraus Umsatz entstanden ist
Du weißt nur: Die Rechnung kam.
Recruiting im Wochenblatt – wirklich?
Du suchst einen Azubi und inserierst im Kreisblatt.
Wer sieht das?
Vielleicht die Oma. Die sagt dann ihrem Enkel: „Hier, schau mal."
Der Enkel, 17 Jahre alt, sitzt währenddessen auf TikTok oder Instagram. Und wenn er über deine Anzeige stolpert, dann wahrscheinlich als Screenshot im Familienchat.
Die Wahrscheinlichkeit, dass genau deine Zielgruppe über dieses Medium gezielt erreicht wird, ist gering. Nicht unmöglich. Aber gering.
Der Unterschied zu digitalen Anzeigen
Mit Werbeanzeigen auf Meta oder anderen Plattformen wählst du aus:
- Frauen.
- 20–40 Jahre.
- Ohne Kinder.
- Interesse an Tennis.
- Im Umkreis von 25 km.
Und das ist noch nicht einmal besonders granular.
Du kannst danach genau sehen:
- Wie viele Menschen haben die Anzeige gesehen
- Wie viele haben geklickt
- Wie viel hat ein Klick gekostet
- Wie viele Anfragen sind entstanden
Du arbeitest nicht mit Bauchgefühl. Sondern mit Zahlen.
Rechenbeispiel – Wochenblatt vs. Meta Ads
| Kennzahl | Variante A – Kreisblatt | Variante B – Meta Ads |
|---|---|---|
| Kosten | 600 € | 600 € |
| Reichweite | „sehr hoch" (laut Verlag) | messbar |
| CPC | nicht messbar | 1,50 € |
| Klicks | unbekannt | 400 |
| Conversion | unbekannt | 5 % |
| Leads | unbekannt | 20 |
Jetzt kannst du rechnen. Und entscheiden.
→ Mehr zur ROI-Logik: ROI im Marketing – Wie wirtschaftlich gutes Marketing wirklich gedacht wird
Kernaussage
Wer nicht messen kann, ob Marketing wirkt, betreibt kein Marketing. Er hofft.
Warum Unternehmen trotzdem Print buchen
Weil es sich vertraut anfühlt.
- Weil man es schon immer so gemacht hat.
- Weil „alle anderen auch drin sind".
- Weil es lokal ist.
- Weil es greifbar ist.
Das sind emotionale Argumente. Keine wirtschaftlichen.
Heißt das, Print ist tot?
Nein.
Aber Print sollte strategisch eingesetzt werden. Ergänzend. Bewusst. Und nicht als Standardmaßnahme, nur weil es schon immer so lief.
Wenn ein Unternehmen Woche für Woche 600–800 € in nicht messbare Reichweite investiert, dann sollte zumindest die Frage erlaubt sein:
Was würde passieren, wenn dieses Budget in messbare Kanäle fließt?
Lokale Sichtbarkeit heute
Lokale Sichtbarkeit entsteht nicht nur durch Papier. Sie entsteht durch:
- Google-Suchen
- Social Media Profile
- Bewertungen
- Digitale Empfehlungen
- Targetierte Anzeigen
Wer dort nicht sichtbar ist, überlässt es dem Zufall.
→ Warum Sichtbarkeit auch ohne großes Budget Pflicht ist: Social Media ohne Budget?
Häufige Fragen
Funktioniert lokale Printwerbung gar nicht mehr?
Sie kann funktionieren. Aber ohne Messbarkeit bleibt sie ein Risiko.
Sind digitale Anzeigen immer besser?
Nicht immer. Aber sie sind messbar. Und damit steuerbar.
Ist 600 € Adspend im Monat ausreichend?
Das hängt von Branche und Ziel ab. Aber selbst mit 600 € sind erste belastbare Daten möglich – im Gegensatz zu Printanzeigen ohne Tracking.
→ Mehr dazu: Was Social Media Unternehmen wirklich kostet